BRUSTSCHMERZ
(
Chronischer Brustschmerz)
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Der Begriff Brus t ist sehr unscharf und ist eher dem "Volksmund" zuzuordnen. Nach dem Roche-Lexikon können drei Bereiche damit gemeint sein:  
  1. der obere Teil des Rumpfes (zwischen Hals u. Bauch); Thor ax, s.a. Brus twand.

  2. die Tho rax- bzw. Brus ttkorbvorderwand (im Gegensatz zum Rücken)

  3. die Brustdrüse, Mam ma, Glandula mammaria.
     

Entsprechend der unterschiedlichen Bedeutung kann ein Brustschmerz verschiedene Ursachen haben:

  1. Von den inneren Organen ausgehender Brustschmerz (z.B. Herz)

  2. Von der Brus twand ausgehender Brus tschmerz (Gürtelrose, Interkostalneuralgie, BWS-Syndrom, Tietze-Syndrom)

  3. Die (weibliche) B rust (Ma mma) betreffender Brus tschmerz (Mastodynie bzw. Mastalgie)

1) Von den inneren Organen ausgehender Brustschmerz 

Ein Brustschmerz, der vom Herz ausgeht, die sog. Kardialgie, z.B. im Rahmen einer Angina pectoris, ist schmerztherapeutisch nicht relevant, da er fachärztlich kausal (= auf die Ursache gerichtet) behandelt werden kann. Auch eine Affektion (= Befall, Erkrankung, Krankheit) der Lunge (hpts. Lungenfell) oder Leber kann zu einem solchen Schmerz führen.

2) Von der Brus twand ausgehender Schmerz (chronischer)

Die Gürtelrose geht (oft) mit einem Brustschmerz einher.
Die Gürtelrose (Herpes zoster) ist eine neurodermale
(= Nerv en und Haut betreffende) Infektionskrankheit. Der Erreger ist der Her pes-Varizellen-Virus. Als Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu den bekannten Windpocken, an sich eine harmlose Kinderkrankheit. 
Leider hat das Virus die Eigenschaft, über Jahrzehnte in bestimmten Bereichen des Nervensystems zu überleben, ohne daß Krankheitszeichen vorhanden sind. Kommt es aber zu einer Schwächung des Immunsystems, so wird das Virus reaktiviert und erreicht über sensible Nervenbahnen die Haut und es entsteht der Herpes Zoster.
Die Gürtelrose befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwirbelsäule, seltener den Gesicht s- bzw. Kopf bereich (Gesichtsrose) (Zoster ophthalmicus, Zoster oticus).
Mehr über die Gür
telrose bzw. den Herpes zoster erfahren Sie hier: http://www.guertelrose.net (einfach anklicken).

Die sog. Interkostalneuralgie beschreibt einen ziehenden, gürtelförmigen Brustschmerz entlang einem oder mehreren Zwischenri ppenräumen mit typischen Druckpunkten paravertebral (= neben der Wirbelsäu le), in der Axillarlinie (= von der Achselhöhle abwärts) und paramedian vorn (= neben der Mittellinie vorne). Betroffen sind die sog. Zwischenripp ennerven (Nn. intercostales).
Häufige Ursachen: degenerative
(= abnutzungsbedingte) Veränderung der Wirbelsäule mit Kompression (= Einengung) der Nervenwurzel n, Zustand nach Thora kotomie (= operative Eröffnung des Brus tkorbs, evtl. mit Ri ppen entfernung), in diesem Falle spricht man von einem sog. Postthorakotomie-Syndrom.
Mehr über die Intercostalneuralgie erfahren Sie hier: http://www.interkostalneuralgie.de
(einfach anklicken).

Im Rahmen eines BWS-Syndrom s kann es ebenfalls zu einem Brustschmerz (chronischer) kommen.
Das Brustwirbelsäulensyndrom ist ein Sammelbegriff für Schmerzen, die von der Brustwirbelsäule ausgehen oder den Brus
twirbelsäulenbereich betreffen. Von den Abschnitten der Wirbelsäule ist die B W S hinsichtlich chronischer Schmerzen prozentual am wenigsten betroffen. Statisch-dynamische Faktoren spielen hier eine untergeordnete Rolle, es dominieren reflektorische (= von einem anderen erkrankten Organ ausgehende, reflexartige) Störungen, hauptsächlich im myofaszialen (= Muskeln und deren Gewebsumhüllung betreffenden) System.
Mehr über das Brus
twirbelsäulensyndrom erfahren Sie hier: http://www.bws-syndrom.de (einfach anklicken).

Schmerz therapeutisch bedeutsam ist der Brustschmerz beim Tietze-Syndrom. Diesem liegen Störungen im Bereich der oberen sternokostalen Übergänge (= Übergänge vom Brus tbein zu den Ri ppen) zugrunde, hervorgerufen durch synchondrosennahe (= nahe am Knorpelgelenk gelegene) Überlastungs- oder Ermüdungs(mikro)brüche, nicht selten nach einer Thora kotomie (= operative Eröffnung des Brus tkorb es).  
In der Regel geben die Patienten einen einseitigen, unspezifischen Brustschmerz an, überwiegend links, der bei Beschwerdezunahme auch in den linken Arm ausstrahlen und dann Herzbeschwerden vortäuschen kann. In vielen Fällen bestand bei Patienten mit einem Morbus Tietze deshalb in der Vorgeschichte schon häufiger der Verdacht auf Herzinfarkt. Bei rechtsseitiger Beschwerdelokalisation kann es auch zu einer Schmerz
ausstrahlung in den rechten (Ober-) Arm kommen. 
Vegetative Begleiterscheinungen, wie beschleunigter Puls und Hitzegefühl sind nicht selten und der Schmerz
charakter ist oft brennend oder glühend, also ganz im Sinne einer Sympathalgie (= Schmerzen, ausgehend vom vegetativen Nerven system) bzw. eines Quadrantensyndrom s (= vegetative Schmerzen im Bereich eines Körperviertels). Beim Quadrantensyndrom folgt die Schmerzausbreitung nicht der segmentaler Ordnung der Nerven sondern mehr dem Verlauf eines größeren Blutgefäßes.  
Die Behandlung dieser
Brustschmerz en wird hier beschrieben: http://www.tietze-syndrom.de (einfach anklicken).

3) Die (weibliche) Brus t (Ma mma) betreffender Brustschmerz

Der Begriff "Mastodynie" oder auch "Mastalgie) beschreibt im eigentlichen Sinne einen Brus tschmerz in der weiblichen Brus t als Organ, häufig mit einer Schwellung einhergehend. Die häufigste Ursache ist eine En tzündung der Brustdrüse (Mastitis). 
Dieser
Brustschmerz tritt auch im Rahmen des sog. prämenstruellen Syndroms auf, begleitet von Dysmenorrhö (= schmerzhafte Regel), Kopfschmerzen, Völlegefühl, seelische Verstimmung, evtl. Ödembildung (= krankhafte Flüssigkeitsansammlung), Exazerbierung (= neuerliche Verschlimmerung) einer Migräne oder ganz selten auch Epilepsie (= Fallsucht). Als Ursache wird eine hormonale und neurovegetativer Dysfunktion (= das vegetative, unwillkürliche Nervensystem betreffende Fehlfunktion) vermutet.
Auch nach kosmetischen Operationen können ein
Brustschmerz verbleiben.
Ganz selten kann auch beim Mann eine Mastodynie (auch als Mastalgie bezeichnet) auftreten und zwar im Rahmen einer sog. Gynäkomastie. Dabei kommt es zu einer meist beidseitigen Hypertrophie
(= Größenzunahme eines Gewebes oder Organs nur durch Zellvergrößerung) des Brustdrüsenkörpers. Zugrunde liegt meist eine endokrine (= die Hormondrüsen betreffende) Erkrankung, manchmal auch infolge eines hormonaktiven Tumors.
Die Behandlung dieser Brus tschmerzen erfolgt primär fachspezifisch (Frauenarzt, Endokrinologe).

Es kommt aber häufiger vor, daß trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) Behandlung die Brus tschmerzen weiter bestehen und so Anlaß zu einer Schmerztherapie geben können.

Zur Schmerztherapie eignen sich wiederholte Interkostalblockaden (= Betäubung der Zwischenri ppennerven) mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines Katheters so erhöht werden, daß eine kontinuierliche Blockade zustande kommt.
Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum
(= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. 
In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. 
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert und damit verschiedenen Schmerzursachen, insbesondere entzündlichen, entgegenwirkt.

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Aktualisiert: >14.08.2007</> kusB
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